In der Werkstatt des Weihnachtsmanns ratterte das Lebkuchen-Förderband so ruhig dahin wie eine Schlittenfahrt über frisch gefallenen Schnee. In ordentlichen Reihen wurden die Kekse zur Dekorierstation transportiert. Diese reibungslose Funktion war das Verdienst eines Pinienzapfen–Iglu-(PI-)Reglers (sehr ähnlich dem Pinienzapfen–Iglu–Dauertanz-(PID-)Regler zur Regelung des Dampfdrucks, siehe 16. Dezember – nur ohne den Dauertanz der Wichtel), der von Jingles, der fleißigen Wichtelin und Verantwortlichen für die Produktionshalle, liebevoll feinjustiert worden war.
Doch an einem besonders hektischen Morgen geschah das Unglück. Ein abtrünniger Marshmallow – verdächtig übergroß und mit ziemlicher Sicherheit rentierbedingt – fiel in den Fördermechanismus und blockierte ihn vollständig. Egal wie sehr der Motor drückte, das Band rührte sich keinen Millimeter.
Jingles erkannte das Problem sofort, riss den Marshmallow heraus und schleuderte ihn in den nächstgelegenen Kakaokessel. Das Band war frei – doch statt sanft zu seiner normalen Geschwindigkeit zurückzukehren, schoss das Förderband plötzlich mit voller Kraft los.
Es dauerte mehrere Sekunden – eine Ewigkeit für Jingles – bis die richtige Geschwindigkeit wieder erreicht war. In der Zwischenzeit flogen Kekse durch die Luft, Gummibonbons prallten von den Wänden ab, und die Zuckergussmaschinen drehten völlig durch. Die Fabrik hatte sich in ein chaotisches winterliches Wunderland verwandelt.
Völlig verwirrt berief Jingles eine Notbesprechung der klügsten Köpfe der Werkstatt des Weihnachtsmanns ein. „Warum ist das Band nicht einfach wieder auf seine normale Geschwindigkeit zurückgegangen?“, fragte sie verzweifelt. „Sobald der Marshmallow raus war, hätte es sich beruhigen müssen – und kein Kekschaos auslösen!“
Alle kratzten sich am Kopf. Mitzy nippte ruhig an ihrem Tee. Grumbles murmelte unverständlich vor sich hin. Squeezy stopfte sich aus Nervosität einen ganzen Zuckerstab hinein – diesmal immerhin ohne Papier. Und Trixie? Die zog nur amüsiert eine Augenbraue hoch: Nichts erfreute sie mehr als eine von Jingles verursachte Fehlfunktion, die sie selbst nicht beheben musste – ein seltener Moment, in dem das Vorzeigekind der Wichtelwerkstatt nicht perfekt wirkte.
Nach einigen peinlichen Momenten des Schweigens erklärte Jingles schließlich:
„Also gut. Jede*r denkt sich eine Lösung aus. Wir treffen uns morgen wieder. Und denkt daran: Was auch immer ihr vorschlagt, wir müssen einen Förderantrag beim Nordpol-Institut für Süßwaren-Ingenieurwesen einreichen. Also bitte Extrapunkte für eingängige Akronyme. Ihr wisst ja, wie nett die NICE-Leute beim Papierkram sind.“ Alle nickten – mehr oder weniger überzeugt.
Am nächsten Tag kam das Team wieder zusammen. Jede*r stellte einen Vorschlag vor, und dann wurde es still – nur das leise Summen des inzwischen wieder wohlverhaltenen Förderbands war zu hören.
Unten folgt ein kurzer Auszug aus dem Treffen. Wer hatte recht?
a. 🎭🩰⚙️ Trixie ergriff als Erste das Wort, trotz Jingles’ sehr klarer Aufforderung, zu warten. Sie stolzierte nach vorne und rollte ihre Schriftrolle mit dramatischer Geste auf.
„Wie immer fange ich an. Mein Vorschlag heißt TWIRL: Tiny Wiggles to Improve Response Linearity. Jingles nutzt nie den Dauertanz – nur Pinienzapfen und Iglu. Ich glaube, nicht einmal der Große Geist der Wichtel weiß warum. Aber ohne diese kleinen ‚D‘-Schritte wird alles ruckelig und wild. TWIRL lässt die tanzenden Wichtel einspringen, wenn es nötig ist – um plötzliche Stöße abzufedern und alles elegant und gleichmäßig zu halten. Ich bin sicher, das funktioniert – graziös, stilvoll und ehrlich gesagt längst überfällig.“
b. 🍬📈🐻 Squeezy sprang förmlich von seinem Stuhl auf und wedelte mit seiner klebrigen Serviette wie mit einer Fahne – immer noch mit den Resten seines letzten Zuckerstabs beschäftigt. „Okay, hört zu! Mein Vorschlag heißt GROWL: Gradual Regulation Of Weighty Loads. Das Problem ist nicht, wie schnell das Band läuft, sondern wie schnell es loslegt. Also statt am Pinienzapfen-Iglu-Regler herumzuschrauben, bitten wir einfach die vorgelagerten Süßwarenmaschinen, bei Bedarf größere Leckereien herzustellen. Größere Bonbons bedeuten schwerere Lasten – und die bremsen das Band ganz von selbst. Weniger fliegende Kekse, weniger Chaos. Und die Kinder lieben’s. Win-win!“
c. 🛑💪🔧 Grumbles erhob sich langsam und steif, mit der Miene von jemandem, der gleich etwas ausgesprochen Vernünftiges verkünden würde. „Das ist mir alles viel zu übertrieben. Halten wir es einfach. Mein Vorschlag heißt BUMP: Bound Upon Motor Push. Wir lassen den Pinienzapfen-Iglu-Regler so, wie er ist – der passt schon. Und wir versuchen ganz bestimmt nicht, den durchgedrehten Leuten aus der Keksfabrik zu erklären, wie sie ihre Gewichte regeln sollen, beim Großen Geist der Wichtel! Wir begrenzen einfach das maximale Drehmoment, das der Motor einsetzen darf, wenn er plötzlich wieder aufwacht. Man kann auch nicht direkt nach einem Nickerchen Vollgas geben – glaubt mir. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht funktionieren sollte.“
d. 🍵📉🧠 Schließlich trat Mitzy nach vorne, mit einem ruhigen Lächeln, einem ordentlich gefalteten Blatt Papier und einer Tasse Tee.
„Mein Vorschlag ist klein, aber wirkungsvoll. Er heißt PAIR: Pinecone-Aware Iglu Resizer. Das Problem ist, dass das Iglu weiter wächst, während der Motor feststeckt – und es kann nicht sofort schrumpfen, wenn die Blockade weg ist. Das braucht Zeit, und genau das führt zu dem vorübergehenden Geschwindigkeitsschub. PAIR behält das Iglu im Blick und verkleinert es sanft, wenn es zu groß geworden ist. So spiegeln Pinienzapfen und Iglu immer wider, was der Motor tatsächlich leisten kann, und verlangen nie etwas Unmögliches von ihm.“
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